Ja, ja, ich weiß, helles Brot ist nicht gesund, es hat keine Nährwerte. Aber es schmeckt besser zu Käse und Marmelade als dunkles Brot. Weil ich ein bisschen gesundheitsbewusst bin, esse ich doch hin und wieder Vollkornbrot. Zur Abwechslung schmeckt das auch. Einem Gesundheitsimpuls folgend, biss ich kürzlich wieder in ein unheimlich gesundes Brot – knirsch, mir fehlt ein Stück Zahn!  Das kann teuer werden. Ich glaube, in Zukunft esse ich nur noch Baguette. Außerdem, mein Misstrauen gegenüber dogmatischen Gesundheitsargumenten wurde weiter gesteigert. Zum Beispiel gegenüber der Behauptung, Butter sei des Teufels und Margarine pure Gesundheit (habe ich nie geglaubt). Das ist auch durch die Auswertung aller Studien zu diesem Thema (Metastudie) widerlegt. Deshalb esse ich auch weiterhin kräftig schmeckenden vollfetten Käse (das Angebot wird schon geringer) statt die fett- und geschmacksreduzierten Industrieprodukte.

Gesundheitsargumente sind vor allem auch Mittel zur Durchsetzung von Marktinteressen. Heute werden Lebensmittel konfektioniert, morgen der Mensch. Begonnen hat das schon. Dann ist der Mensch das Produkt einer Industrie, wie das heute viele Nahrungsmittel sind.

Jetzt ist die Sonne da. Endlich. Und nicht nur, weil sie gerade ein Wolkenloch gefunden hat. Anlass genug, sich Zeit für einen Waldspaziergang zu nehmen. Zuerst war es mir nicht bewusst, dass etwas anders war. Der vielstimmige Chor der Vögel. Die Zeit der Stille, der Winter, ist nun endgültig vorbei. So ein Konzert hebt meine Stimmung und ich finde, man kann sich etwas eins fühlen mit diesem Aufbruch der Natur. Mann, wird da wahrscheinlich jemand sagen, der hört den Vögeln zu, der hat ’ne Meise. Ich hör viel lieber Lady Gaga. Auch im Wald, falls ich mal dort hin komme. Auch zum tausendsten Mal wird mir das nicht zu blöd.

Liebe Vögel, ihr habt es heutzutage schwer. Gegen Lady Gaga kommt ihr einfach nicht an.

Mir fällt es manchmal recht schwer, heiter zu sein. Jetzt im Winter. Dunkel. Kalt. Brrrr …  Ich fahre nicht Ski (obwohl ich es schon einigermaßen konnte). Das ist im Winter schade, denn für die Skifahrerin und den Skifahrer ist der Winter ein Quell der Freude. Ich dagegen hoffe, dass er schnell vorbeigeht und der Frühling kommt. Kürzlich habe ich im verschneiten Wald eine Wanderung gemacht. Wirklich sehr schön. Jetzt ist der Schnee weg. Wenn ich etwas weiter fahre, in höhere Gebirgslagen, liegt Schnee. Wahrscheinlich werde ich das demnächst mal tun. Aber gestern habe ich gegen Wintertrübsal mit einer Flasche Wein aus der Toskana angekämpft. Sangiovese mit Cabernet Sauvignon. Ausgebaut in neuen Barriques.  Vanillig, konzentriert, schöne Länge. Nicht aus dem Supermarkt. Dazu, ich muss es zugeben, das ist vielleicht kein sonntägliches Essen, Pizza. Dafür selbst gemacht, mit Pizzamehl, das macht den Teig knuspriger. Büffelmozzarella, Mangold, Oliven. Das mit dem Wein ist natürlich keine Lösung für jeden Tag. Also wird es Zeit, dass der Frühling kommt. Was nicht heißt, dass ich dann keinen Wein mehr trinke.

Jahreswende. Vergänglichkeit der Zeit. Manche schauen mit Tatendrang in die Zukunft (dabei bleibt der Tatendrang meistens in den Bahnen des Gewohnten). Manche schauen mit Bedauern zurück und erinnern sich melancholisch des Vergangenen, des Schönen, das nicht bleibt. Was aber das Leben wertvoll macht, ist gerade seine Vergänglichkeit. Der schöne Augenblick, das Erlebnis, eingefroren, auf Dauer gestellt, wäre bestimmt ein schlimmes Gefängnis. Okay, manches Schöne könnte natürlich länger dauern.

Es ist das Fortschreiten der Zeit, die Unwiederholbarkeit, die dem Leben Wert gibt. Und das Glück wohnt im Vergänglichen. Darum – genießen wir den Augenblick!

Die Dänen sind das glücklichste Volk der Welt. Haben Studien ergeben. Warum? Die Dänen sind ein sehr wohlhabendes Volk, aber das Vermögen konzentriert sich nicht bei Einkommensspitzen. Die Dänen sind sehr auf sozialen Ausgleich bedacht, und dabei hat jeder die Möglichkeit, wenn es nötig ist, wieder schnell in Arbeit zurückzufinden. Existenzängste kennt man in dieser Hinsicht so gut wie nicht. Und die Dänen zahlen sogar gerne Steuern. Spitzensatz der Einkommenssteuer 62%. Welch ein Wunder. Deshalb kennen die Dänen viele unserer Probleme kaum. Zum Beispiel die Unterfinanzierung öffentlicher Einrichtungen und der Bildung. Vielem, was zu einem funktionierenden Gemeinwesen gehört. Und die Dänen sind liberal.

Aber so liberal, dann doch nicht. Das ist wahrscheinlich die Kehrseite ihres Glücks: Man muss dazugehören! Wer sich anders verhält, als erwartet, wird ausgeschlossen. Auch Glück hat wohl seinen Preis.